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Wie überlebe ich die ersten Wochen und Monaten nachdem Tod eines geliebten Menschen? - LEBEN, TOD & HEITERKEIT
Auf der Suche nach Hilfe bei Trauerfall, Traumata, und anderen Lebenskrisen. Ansprechpartner für Trauerhilfe Kristina Münzelfeld Trauer Coach.

Wie überlebe ich die ersten Wochen und Monate nach dem Tod eines geliebten Menschen?

Auch jetzt noch, 4 Jahre nachdem mein Partner verstarb, kann ich mich genau an den Moment erinnern, als ich von seinem Tod erfuhr. Die ersten Wochen und Monate waren so unglaublich schmerzhaft. Alles, einfach alles verursachte Schmerz. Manchmal glaubte ich daran zu ersticken. Und manchmal fühlte ich mich wie betäubt. Es war absurd, wie sich mein Leben innerhalb von Sekunden geändert hatte. Wie einfach nichts mehr wie vorher war.

In diesem ersten Abschnitt meiner Trauer gab es wenige Dinge die mir, wenn auch nur für kurze Zeit, Erleichterung verschafften. Gezielte Aufmunterungsversuche taten weh. Und Zukunftspläne schmieden, war ein Ding der Unmöglichkeit. Für mich ging es ums nackte Überleben. Da ist nicht viel Spielraum, um auf mehr als eine Handvoll Dinge zu achten. Trauernde befinden sich im Ausnahmezustand. Deswegen gelten die üblichen gesellschaftlichen Verhaltensweisen nicht. 

Trotzdem möchte ich dir ein paar einfache Möglichkeiten vorstellen, die mir Erleichterung verschafften. Stell es dir als meinen persönlichen Fahrplan vor. Eine Wie-überlebe-ich-diesen-Schmerz-Liste. Vielleicht kannst du dich mit manchen Punkten identifizieren. Vielleicht auch nicht. Oder du fühlst dich inspiriert deine eigene Liste zu schreiben. Alles was dich irgendwie unterstützt, diese schwere Zeit durchzustehen, ist willkommen.  

Sicherheit Sollte immer vorgehen!

Manchmal ist es ein Song, ein Gedanke, ein Wort und die Dämme brechen. Tränen fließen über dein Gesicht, ohne dass du sie kontrollieren kannst. Du weinst so sehr, dass es dich durchschüttelt. Gerade in den ersten Wochen und Monaten kann das Teil deiner neuen Realität sein. Bei mir was es so und das ist auch völlig in Ordnung. Worauf ich hinaus will, dass dies immer und jederzeit passieren kann. Zu Hause auf der Couch, auf der Arbeit, im Supermarkt oder eben auch beim Auto fahren.
Wenn du also gerade heftig weinend im Auto sitzt, dann fahre bitte rechts ran. Deine eigene Sicherheit geht vor. Bitte weine dich aus, beruhige dich irgendwie bevor du weiterfährst. Oder lass das Auto stehen. Benachrichtige jemanden, der dich abholen kann. Nimm ein Taxi oder die öffentlichen Verkehrsmittel.
Deine Sicherheit geht immer vor. Auch wenn dir diese gerade ziemlich egal sein sollte. Ja, diesen Gedanken kenne ich nämlich auch. Dann denke bitte trotzdem daran, dass auch andere Menschen an einem Verkehrsunfall beteiligt wären. Du möchtest sicherlich keinem anderen Menschen Schaden zufügen.
Also bitte, bitte. Sicherheit im Straßenverkehr geht vor. Wenn du es nicht für dich tust, dann bitte jedenfalls für die Anderen. 

Höre in dich hinein und folge deiner Intuition. Dein Körper weiß was jetzt für ihn wichtig ist. In Zeiten der Trauer hat dein Körper nur begrenzt Energie. Deswegen ist es sehr wichtig, Möglichkeiten wahrzunehmen diese wieder aufzufüllen. Ebenso kannst du Menschen, Orte oder Veranstaltungen verlassen, wenn es dir zu viel ist. Dinge die früher einmal Freude bereitet haben, können heute Leid verursachen und andersherum. Dinge, von denen du bisher dachtest, dass sie nichts für dich sind, haben heute das Potential Trost zu spenden. Egal ob es dir absurd erscheint oder nicht, alles was dir hilft und für dich okay ist, ist erlaubt. Lass dich nicht von anderen Meinungen beeinflussen. Wenn du in der Silentdisco tanzen möchtest oder die neue Meditationsgruppe um die Ecke ausprobieren möchtest, leg los. Probier dich aus. 

Bitte achte darauf, dass du genug trinkst. Trauer fordert ihren körperlichen Tribut. Alles ist anstrengender als jemals zuvor. Das viele Weinen trocknet aus. Bitte trinke ausreichend viel. Am besten Wasser oder ungesüßten Tee, um deinen Körper zu rehydrieren. 

Wie schon bereits erwähnt, Trauer ist körperlich anstrengend. Es ist möglich, dass die natürlichsten Dinge, wie Staubsaugen oder eine Mahlzeit zubereiten dich unglaubliche Überwindung kosten. Es ist normal, dass dich dein Kurzzeitgedächtnis im Stich lässt, du Termine oder Namen vergisst. Wenn du müde bist und dich nach Schlaf sehnst, dann komme dem nach. Schlafe soviel und solange du es benötigst. Höre auf deinen Körper. 

Ja wirklich, duschen kann helfen. Es ist möglich, dass du dich danach ein kleines bisschen besser fühlst. Jedenfalls für den Moment. Das Gleiche gilt übrigens auch für Haushalts- oder Ordnungstätigkeiten. Je nachdem wie hoch dein Energielevel gerade ist. Es kann sich positiv auf deinen Gemütszustand auswirken, wenn du und deine Umgebung sauber und ordentlich sind. 

Mein Partner hatte einen Musikfaible. Wo ich die meiste Zeit die Stille bevorzugte, liebte er die Musik. In den ersten Wochen nach seinem Tod, hörte ich seine letzte Playlist hoch und runter. Über sie spürte ich eine starke Verbindung zu ihm. Sie tröstete mich, obwohl sie mich gleichzeitig auch traurig machte. Ich lauschte dieser letzten Playlist bestimmt fast ein Jahr. 

Zwischenzeitlich fing ich auch wieder vermehrt an zu lesen. Ich las schon immer recht viel. Liebte es als Kind in eine ferne Welt abzutauchen. Manchmal las ich drei Bücher gleichzeitig. Diese waren zuweilen recht unterschiedlich. Vom Ratgeber über Roman bis hin zu Gedichten war alles dabei. Vielleicht probierst du dich einfach aus? Fragst deine Freunde nach Empfehlungen. So könntest du z.B. durch gezieltes Nachfragen verschiedene Themengebiete vermeiden (falls du das möchtest).

In Bewegung sein. Hin und wieder hat mir das geholfen. Es gab so eine Zeitspanne direkt nach der Beerdigung, da konnte ich nichts tun außer im Bett liegen, an die Decke schauen und seine Musik hören. Aber als diese Zeit vorüber war, half mir Bewegung. Dabei habe ich es zwar körperlich nicht geschafft ins Fitnessstudio zu gehen und mein „normales“ Workout durchzuziehen, aber ich bin viel spazieren gewesen, war schwimmen im See, habe Yoga probiert oder zur Musik leise getanzt.

Bewegung löst nicht deine Probleme. Sie macht nichts wieder gut. Trotzdem tat es gut etwas vorzuhaben. Ein loses Ziel zu verfolgen. Gedanken konnten sich setzen. Oder es machte mich einfach nur müde und ich konnte danach selig schlafen. 

Sich um etwas oder jemanden zu kümmern, kann dir eine kleine Verschnaufpause verschaffen. Natürlich sollst du nur etwas in Betracht ziehen, was du dir momentan körperlich und seelisch zutraust. Du könntest deine Blumen umtopfen, dich im Garten betätigen, deine Lieblingskekse oder einen Kuchen backen, deinem Tier das Fell bürsten oder denke dir eine ganz eigene Geste der Zuneigung aus. 

Was das bringen soll? Möglicherweise dient es dir als eine Art der Zerstreuung  oder verschafft dir Entspannung, weil diese routinierten Handgriffe dir eine Art Geborgenheit vermitteln. Oder es fühlt sich für dich einfach nur gut an jemand anderem etwas Gutes zu tun, Zuneigung zu spüren und auch auszuleben. Was auch immer es für dich sein wird, es ist sicherlich einen Versuch wert. 

Gerade in der ersten Zeit konnte ich viele Gespräche in meiner Umgebung nicht ertragen. Der Tod meines Partners relativierte einfach alle anderen Probleme, die es um mich herum gab. An manchen Tagen, war ich einfach nicht in der Lage mich mit anderen Menschen zu befassen. Ich war gefangen in meinem persönlichen Albtraum, der sich mein Leben nannte und aus dem ich einfach nicht aufwachte.

An diesen Tagen half es mir, Zeit allein in der Natur zu verbringen. Da musste ich meine Gefühle nicht verstellen, keine Fragen beantworten. Dort konnte ich genau so sein, wie ich mich in diesem Moment gerade fühlte. Ich musste nichts weg lächeln, konnte am Wasser sitzen und hemmungslos weinen oder den Wald mal gehörig anschreien. Die Natur nimmt dir deine Stimmung nicht übel. Sie nimmt nichts persönlich. Denn sie will nichts von dir. Sie ist einfach nur da.

Das waren die Leuchttürme meiner ersten Wochen und Monate. Wenn wir mal ganz ehrlich sind, dann kann deine Liste ganz anders aussehen. Denn du kennst dich am allerbesten. Du weißt, was du jetzt brauchst. Vertraue deiner Intuition. Denn du hast deine ganz eigene Art, dich um dich zu kümmern. Du weißt, was dir vertraut ist, wodurch du Erleichterung und Entspannung findest. Du bist in Teilen immer noch du selbst. Nicht alles hat sich vollständig geändert, auch wenn Vieles nicht mehr so ist wie es war oder dir irrelevant erscheint. 

Der Tod eines geliebten Menschen bringt unsere Welt beispiellos durcheinander. Deswegen probiere dich einfach aus, erforsche diese für dich noch unbekannte Welt in die du nie eintreten wolltest und schau, ob dir meine Liste eine Stütze ist. Vielleicht ergänzt du sie in Teilen oder erstellst dir eine ganz eigene.